Montag, 18. Oktober 2010

Soziologie oder Wie lang sind schwedische Gardinen wirklich?

Soziologie ist schon verdammt interessant! Eben erst wurde ein Problem angesprochen, dass ich schonmal gehört habe, und das mich seitdem auch immer wieder beschäftigt hat.

Robert Axlrod beschrieb das Gefangenendilemma folgendermaßen:

Zwei Gefangene werden verdächtigt, gemeinsam eine Straftat begangen zu haben. Die Beiden werden getrennt und seperat voneinander, ohne jeglichen Kontakt zum Partner, vernommen. Die Höchststrafe für ihre Tat beträgt 6 Jahre. Schweigen beide und verraten den anderen nicht, werden sie zu 2 Jahren verurteilt. Schweigt nur einer, während der andere ihn verrät, so wird der Verräter als Kronzeuge freigesprochen. Sollten beide den anderen verraten, so erwarten sie 4 Jahre Haft.

Ich habe mich immer gefragt, was man, wäre man wirklich in so einer Situation, tun würde. Analytisch wäre die sicherste Methode, zu schweigen und zu hoffen, dass der Komplize ebenfalls klug ist, und schweigt. Ist er aber die Verrätersau, kommt er frei und man selbst muss 6 Jahre absitzen. Redet man, wenn einem die Freiheit lockt? Warum verrät man einen Freund?

Auf jeden Fall besteht für beide ein wesentlicher Druck, denn jede Situation muss abgeschätzt werden. Vor allem aber muss man die Treue seines Freundes einschätzen, und das macht das Dilemma wohl so beängstigend. Denn egal, wie gut und lang man die Menschen, die man Tag für Tag um sich hat, kennt - Man kann immer nur bis vor die Stirn sehen. Meine tiefe Freundschaft muss in dieser Aussicht nicht unbedingt von meinem Partner geteilt werden. Wenn ich keine tiefe Freundschaft empfinde, würde ich ihn dann verraten, wenn man mir meine persönliche Freiheit wegnimmt? Könnte ich noch rational denken?

Axelrod sagt, dass das Dilemma beruht darauf, dass die kollektive und individuelle Analyse zu unterschiedlichen Handlungsempfehlungen führt. So weit, so gut. Aber Empfehlungen sind nicht immer das, was wir letztendlich tun.

Das Ganze scheitert an der Unberechenbarkeit des eigenen und des Charakters des Anderen in einer Situation, in der man selbst, beziehungsweise seine Freiheit, bedroht ist...

Ich hoffe der Blog wird doch wieder gelesen, ich verspreche, jetzt auch regelmäßig zu schreiben!

AcidPlacebo
(die gerade Basti und JD verabschieden musste D': )

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